Die Oldenburgische Halbinsel, also der nordöstlichste Zipfel des Schleswig-Holsteiner Festlands, trägt seit alters her den etwas besonderen Namen "Wagrien". Bewohnt wurde dieser Landstrich von einem Teilstamm der slawischen Abodriten, welcher passenderweise unter dem Namen "Wagrier" bekannt wurde.

Im frühen Mittelalter siedelte der Stamm der Abodriten entlang der heutigen deutschen Ostseeküste. Das westlichste Siedlungsgebiet dieses Stammes erstreckte sich von der Lübecker Bucht bis zur Kieler Förde und von der Trave bis zur Schwentine. Seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. wurden die hier lebenden Menschen als "Wagrier" bezeichnet - in der slawischen Sprache bedeutete dies so viel wie "die an den Buchten leben".

Die Lebensweise der Wagrier unterschied sich nicht großartig von derjenigen ihrer nordwestlichen Nachbarn, der Dänen. Kein Wunder, waren doch alle Menschen entlang der Ostseeküste dem Meer schon aus Gründen natürlicher Notwendigkeit eng verbunden. Zwischen den verschiedenen Volksgruppen der Skandinavier, Franken, Sachsen und Slawen bestanden einerseits rege Handelsbeziehungen, doch waren die Wagrier andererseits - wie auch die Wikinger - gefürchtete Piraten. Die bedeutendste Burg der Wagrier, deren Ringwall noch heute erhalten ist, befand sich im heutigen Oldenburg in Holstein. Der Ortsname leitet sich auch tatsächlich aus seiner alten slawischen Bezeichnung her, denn zu Zeiten der Wagrier trug die Burg den Namen "Starigard" - was auf Deutsch übersetzt "alte Burg" bzw. "olde Burg" bedeutet.

Auf alten Karten umfasst das Gebiet Wagriens noch den gesamten nordöstlichen Teil Schleswig-Holsteins, also ungefähr die heutigen Kreise Plön und Ostholstein. Heutzutage wird meist jedoch nur noch die Oldenburgische Halbinsel als Wagrien bezeichnet. Dieser Umstand erklärt sich dadurch, dass das Stammesgebiet der Wagrier im Laufe des Mittelalters immer weiter gewaltsam reduziert wurde. Der Kirche und den deutschen Fürsten des 11. und 12. Jahrhunderts waren die heidnischen Slawen ein Dorn im Auge und ihre Stammesgebiete erschienen ihnen lohnende Ziele einer hemmungslosen Expansionspolitik, die sie unter dem Deckmantel der christlichen Missionierung durchführen ließen.

Heute erinnert nur noch weniges an die wagemutigen Wagrier, die dem nordöstlichen Schleswig-Holstein seinen Namen gaben. Ihre Siedlungen sind lange verfallen oder wurden überbaut. Lediglich in einigen der Ostholsteiner Ortsnamen bleibt ihr Andenken lebendig - so auch in Süssau, dessen Name ursprünglich "Ort auf trockenem Gelände" bedeutete.